Wissen

Dirk Stelzer


Wissen ist Objekt des Wissensmanagements und gilt als wettbewerbsrelevante betriebliche Ressource. Es werden vier in der Wirtschaftsinformatik verbreitete Auffassungen von Wissen diskutiert: Wissen als vernetzte Information, Wissen als Rohstoff zur Bildung von Information, Wissen als Entscheidungs-, Problemlösungs- und Handlungsfähigkeit sowie Wissen als plausibel begründete Aussagen.

Wissen ist Objekt des Wissensmanagements und gilt als wettbewerbsrelevante betriebliche Ressource [vgl. z. B. Drucker 1993; Schreyögg, Geiger 2003 oder von Krogh, Grand 2004]. Trotz der zentralen Rolle des Wissens für die Wirtschaftswissenschaften hat sich kein einheitliches Verständnis herausgebildet. Im Folgenden werden vier in der Wirtschaftsinformatik verbreitete Auffassungen von Wissen diskutiert.

Wissen als vernetzte Information

Wissen wird häufig durch Abgrenzung von Zeichen, Daten und Information charakterisiert [z. B. Aamodt, Nygard 1995; Hasenkamp, Roßbach 1998; Rehäuser, Krcmar 1996]. Demnach werden Daten durch eine Anordnung von Zeichen nach vorgegebenen Regeln gebildet. Informationen sind „in den Kontext eines Problemzusammenhangs gestellte Daten“ [Rehäuser, Krcmar 1996, 5]. Wissen wird als „zweckorientierte Vernetzung von Information“ [Rehäuser, Krcmar 1996, 5] verstanden. Oft wird zusätzlich die Semiotik verwendet, um Zeichen, Daten, Information und Wissen voneinander abzugrenzen. Daten werden durch Verknüpfung von Zeichen gemäß syntaktischer Regeln gebildet. Werden die Daten – semantischen Regeln folgend – interpretiert, entsteht Information. Auf der pragmatischen Ebene kann Wissen „durch Vernetzung von Information mit dem Kontext“ [Hasenkamp, Roßbach 1998, 957] gebildet werden.

Diese Auffassung von Wissen wird von vielen Autoren aufgegriffen. Möglicherweise ist sie für die Wirtschaftsinformatik besonders attraktiv, weil Zeichen, Daten, Information und Wissen auf einem scheinbaren Kontinuum angeordnet werden. Es entsteht der Eindruck, Wissen könne durch sukzessive Ergänzung von (Meta-)Information aus Zeichen, Daten und Information heraus entwickelt werden. Dieses Verständnis unterstützt die These, Wissen könne automatisiert aus Information gebildet werden [vgl. zu einer kritischen Diskussion dieser These Galliers, Newell 2003].

Gegen dieses Verständnis lässt sich einwenden, dass nicht nur Wissen, sondern auch Information oft ein pragmatischer Charakter zugesprochen wird [Kuhlen 1995, 34; Schütte 1999, 152 ff. oder Wittmann 1959, 14]. Zweckorientierung ist aber ohne Vernetzung mit dem Kontext undenkbar. Werden beide Begriffe („Wissen ist zweckorientierte Vernetzung von Information“ [Rehäuser, Krcmar 1996, 5] und „Information ist zweckbezogenes Wissen“ [Wittmann 1959, 14]) parallel verwendet, lassen sich Information und Wissen nicht sinnvoll unterscheiden [Schreyögg, Geiger 2003, 8].

Wissen als Rohstoff zur Bildung von Information

Kuhlen bezeichnet Wissen als „kognitive Strukturen oder mentale Repräsentationen“ [Kuhlen 1995, 38], die in einem Zeichensystem repräsentiert werden müssen, um kommunizierbar zu sein. Wissen wird als „Rohzustand“ bzw. Rohstoff bezeichnet, aus dem „Information für aktuelle Problemlösungen erarbeitet“ werden kann [Kuhlen 1995, 34]. Kuhlen versteht unter Information den „Teil aktivierten erarbeiteten Wissens, … der in konkreten, in der Regel professionellen Problemsituationen zur Lösung dieser Probleme