Bibtex

@InCollection{,
  Year    = "2019", 
  Title    = "Termineinhaltungskennlinien", 
  Author    = "", 
  Booktitle    = "Gronau, Norbert ; Becker, Jörg ; Kliewer, Natalia ; Leimeister, Jan Marco ; Overhage, Sven (Herausgeber): Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik – Online-Lexikon",
  Publisher    = "Berlin : GITO",
  Url    = "https://wi-lex.de/index.php/lexikon/inner-und-ueberbetriebliche-informationssysteme/sektorspezifische-anwendungssysteme/produktionsplanungs-und-steuerungssystem/logistische-kennlinien/termineinhaltungskennlinien/", 
  Note    = "[Online; Stand 28. January 2023]",
}

Termineinhaltungskennlinien

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Peter Nyhuis (unter Mitarbeit von Matthias SchmidtSebastian Bertsch)


 

Die Einhaltung von

zugesagten Terminen gegenüber Kunden ist zu einem entscheidenden

Erfolgskriterium im globalen Wettbewerb geworden. Um Unternehmen zu befähigen,

ihre Terminperformance quantitativ zu bewerten, wurden am Institut für

Fabrikanlagen und Logistik (IFA) der Leibniz Universität Hannover die

Termineinhaltungskennlinien entwickelt, die in diesem Beitrag vorgestellt werden.

Zunächst wird ein

Überblick über die Zusammenhänge zwischen den wichtigen Terminen und

Terminabweichungen im Auftragsdurchlauf gegeben (vgl. Abb. 1).

Anschließend werden die Termineinhaltungskennlinien qualitativ hergeleitet. Nach

Bekanntwerden eines Produktionsauftrags wird für diesen ein Plan-Starttermin ermittelt.

Der Plan-Starttermin ist dem Bekanntheitstermin um einen dispositiven Vorlauf

nachgelagert. Die Zugangsterminabweichung des Auftrags ist die Differenz

zwischen dem Ist- und dem Plan-Starttermin. Der in Abb. 1 eingetragene

Bedarfstermin entspricht einem dem Kunden zugesagten Auslieferungstermin.

Analog zur Terminierung des Auftragsstarts wird dem Bedarfstermin ein

Plan-Fertigstellungstermin vorgelagert. Die Zeitspanne zwischen dem

Bedarfstermin und dem Plan-Fertigstellungstermin wird als dispositiver Nachlauf

oder auch Sicherheitszeit bezeichnet und entspricht einem zeitlichen Puffer.

Die Differenz zwischen dem Ist- und dem Plan-Fertigstellungstermin wird als

Terminabweichung der Auftragsfertigstellung bezeichnet.

Mit dem Ziel einer

hohen Termineinhaltung können in der Produktionsprogrammplanung Sicherheitszeiten

eingeplant werden. Eine Sicherheitszeit von einer Woche führt beispielsweise

dazu, dass alle Aufträge mit einer bis zu einer Woche verspäteten Fertigstellung

zum Bedarfstermin zur Verfügung stehen und termingerecht geliefert werden

können. Diese erhöhte Termineinhaltung gegenüber dem Kunden wird durch eine erhöhte

Lieferzeit und gestiegene Fertigwarenbestände erkauft. Die quantitativen Zusammenhänge

zwischen Termineinhaltung, Lieferzeitpuffer und Fertigwarenbestand werden durch

die Termineinhaltungskennlinien beschrieben.

Abb. 1 Termingrößen im Auftragsdurchlauf

Nachfolgend wird das

Modell der Termineinhaltungskennlinien qualitativ hergeleitet. In Abb. 2 ist

eine exemplarische Terminsituation der Auftragsfertigstellung dargestellt. In

den drei Histogrammen wird die Terminabweichung aller Aufträge eines

Produktionsunternehmens aus einem Untersuchungszeitraum von einem Jahr dargestellt.

Abhängig von einer variierenden Sicherheitszeit werden die pünktlich

fertiggestellten Aufträge dunkel markiert. Im Fall a beträgt die Sicherheitszeit

null Tage. Lediglich Aufträge mit einer Terminabweichung von null Tagen oder

einer verfrühten Fertigstellung können rechtzeitig zum Bedarfstermin an den

Kunden geliefert werden. Die Termineinhaltung in dieser Situation entspricht

dem relativen Anteil aller Aufträge, die mit einer Terminabweichung von null

oder weniger Tagen (negative Werte: Auftragsfertigstellung vor Plantermin) fertiggestellt

wurden. Dieser Wert (36%) kann aus der kumulierten Häufigkeitsverteilung des

Histogramms abgelesen werden, die im mittleren Teil von Abb. 2 links dargestellt

ist. Im Fall b wird die Sicherheitszeit auf sechs Tage erhöht. Hierdurch können

weitere Aufträge (insgesamt 69%) pünktlich zum Bereitstellungstermin

fertiggestellt werden. Im letzten Fall c entspricht die Sicherheitszeit der

maximalen positiven Terminabweichung, so dass alle Aufträge pünktlich

fertiggestellt werden.

Die Veränderung der

Sicherheitszeit führt einerseits dazu, dass die Lieferzeit entsprechend erhöht

wird. Andererseits steigt der Bestand an fertigen Aufträgen, da ein vorzeitig

fertiggestellter Auftrag bis zu seinem Bedarfstermin im Fertigwarenlager

verweilt, bevor er versendet wird.


 

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