{"id":6987,"date":"2019-04-08T12:34:11","date_gmt":"2019-04-08T10:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/index.php\/smart-contracts\/"},"modified":"2021-03-02T12:21:40","modified_gmt":"2021-03-02T11:21:40","slug":"smart-contracts","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/uebergreifender-teil\/kontext-und-grundlagen\/informationssystem\/administrationssystem\/it-gestuetztes-vertragsmanagement\/smart-contracts\/","title":{"rendered":"Smart Contracts"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Nils Urbach\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/urbach-prof-dr-nils\/\">Nils Urbach<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Aus technischer Sicht sind Smart Contracts eigenst\u00e4ndige Computerprogramme, die programmierte Aktionen innerhalb einer Blockchain gem\u00e4\u00df hinterlegten Regeln automatisiert ausf\u00fchren k\u00f6nnen, wenn ein zuvor definiertes Ereignis eintritt. Die allgemeinen Ziele von Smart Contracts bestehen in der gemeinsamen Erf\u00fcllung von Vertragsbedingungen, bei gleichzeitiger Verhinderung von zuf\u00e4lligen oder b\u00f6swilligen Abweichungen. Dar\u00fcber hinaus erm\u00f6glicht die automatisierte Ausf\u00fchrung und die implementierte Logik das Umgehen eines Mittelsmanns oder einer Drittpartei beispielsweise bei der \u00c4nderung von Eigentumsverh\u00e4ltnissen oder der Gutschrift einer Zahlung. Zu den damit verbundenen wirtschaftlichen Zielen geh\u00f6ren die Vermeidung von Betrugsf\u00e4llen, Kosten f\u00fcr Schiedsverfahren und Vollstreckung sowie andere Transaktionskosten.<\/em><\/p>\n<h2>Begriffsverst\u00e4ndnis<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Konzept der Smart Contracts wurde bereits im Jahr 1994 und damit vor der Erfindung der <a class=\"internal-link\" title=\"Blockchain\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/datenmanagement\/datenbanksystem\/blockchain\/\">Blockchain<\/a>-Technologie vorgestellt und als computerbasiertes Transaktionsprotokoll definiert [Szabo 1997]. Smart Contracts sind als Computerprogramme zu verstehen, die vordefinierte Entscheidungen treffen k\u00f6nnen, wenn bestimmte Konditionen erf\u00fcllt sind [K\u00f5lvart et al. 2016]. Dazu k\u00f6nnen externe Informationen als Input f\u00fcr Smart Contracts verwendet werden, die dann \u00fcber zuvor festgelegte Regeln eine bestimmte Aktion hervorrufen [Tuesta et al. 2015]. Die entsprechenden Skripte mit den Programmdetails werden zu diesem Zweck mit einer spezifischen Adresse in der Blockchain gespeichert. Tritt das festgelegte externe Ereignis ein, wird eine <a class=\"internal-link\" title=\"Transaktion\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/datenmanagement\/datenbanksystem\/transaktion\/\">Transaktion<\/a> an die spezifische Adresse des Smart Contracts gesendet. In Abh\u00e4ngigkeit der Daten, die in der ausl\u00f6senden Transaktion enthalten sind, werden die vorab festgelegten Schritte des Programms bei jedem Teilnehmer (Rechnerknoten) innerhalb des Netzwerkes ausgef\u00fchrt. Blockchains auf Basis von Smart Contracts erlauben dadurch weit mehr als nur einen Transfer von Werten wie Kryptow\u00e4hrungen [Christidis und Devetsikiotis 2016]. Zur Entwicklung umfangreicher Logiken bieten sie typischerweise eine Touring-vollst\u00e4ndige Programmiersprache. Anders als der Name Smart Contract vermuten l\u00e4sst, ist dieser weder \u201esmart\u201c noch stellt er einen traditionellen Vertrag mit Rechtswirkung dar. Vielmehr kann ein Smart Contract als eine Software-gest\u00fctzte Umsetzung eines traditionellen Vertrags angesehen werden. Die historisch gewachsene und teilweise irref\u00fchrende Bezeichnung \u201eSmart Contract\u201c hat dazu gef\u00fchrt, dass gerade Juristen ein derartiges Programm auch als Chaincode bezeichnen.<\/p>\n<h2>Programmierumgebung Ethereum<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine der ersten und bekanntesten Plattformen f\u00fcr Smart Contracts ist Ethereum [Buterin 2014]. Die Ethereum-Blockchain beinhaltet dezentral auf jedem Blockchain-Client eine virtuelle Maschine, die Smart Contracts ausf\u00fchren kann. Geschrieben wird ein Smart Contract f\u00fcr die Ethereum-Blockchain mit Hilfe der Programmiersprache \u201eSolidity\u201c. Solidity ist eine JavaScript-\u00e4hnliche Programmiersprache, aus der Ethereum Virtual Machine (EVM)-Bytecode kompiliert wird, um von virtuellen Maschine auf der Blockchain ausgef\u00fchrt werden zu k\u00f6nnen. Verallgemeinert besteht ein Smart Contract somit aus einem Set von Funktionen, wobei jede Funktion wiederum durch eine Abfolge von Bytecode-Anweisungen definiert wird [Atzei et al. 2017]. Ein Smart Contract arbeitet als autonomer Teilnehmer im Blockchain-Netzwerk, dessen Verhalten vollst\u00e4ndig vorhersagbar ist. Diese Vorhersagbarkeit liefert letztendlich eine Gewissheit \u00fcber das Ergebnis einer Transaktion.<\/p>\n<h2>Anwendungsgebiete und Potenziale<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wurden Blockchain und Smart Contracts zun\u00e4chst haupts\u00e4chlich in der Finanzdienstleistungsbranche diskutiert, so sind in den vergangenen Monaten diverse andere Branchen in diesem Bereich aktiv geworden und erarbeiten Anwendungsf\u00e4lle und L\u00f6sungen. M\u00f6gliche Anwendungsgebiete von Smart Contracts sind unter anderem die programmatische Umsetzung von Versicherungsvertr\u00e4gen und Finanzderivaten, das Management von Intellectual Property Rights, das Tracking von G\u00fctern entlang der Supply Chain sowie die Umsetzung intelligenter Produktionssteuerungen. Ein weiteres Anwendungsgebiet stellt die Decentralized Autonomous Organization (DAO) dar, in der Smart Contracts f\u00fcr die Automatisierung von Beziehungen und Gesch\u00e4ftsregeln zwischen Investoren, Management, Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten genutzt werden [Omohundro 2014].<\/p>\n<h2>Decentralized Autonomous Organization<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Unter einer DAO ist eine dezentrale und autonome Organisationseinheit zu verstehen, die als Computerprogramm auf einem Blockchain-System l\u00e4uft [Omohundro 2014]. Die DAO beinhaltet Steuerungs- und Gesch\u00e4ftslogiken und ist in der Lage, selbst\u00e4ndig Entscheidungen zu treffen, sodass im Prinzip kein menschliches Eingreifen notwendig ist. Aufgrund der Automatisierung durch <a class=\"internal-link\" title=\"K\u00fcnstliche Intelligenz\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/technologische-und-methodische-grundlagen\/kuenstliche-intelligenz\/\">KI-Logiken<\/a> ist somit eine DAO vollst\u00e4ndig autonom. Eine Interaktion mit der Au\u00dfenwelt findet mit Hilfe von Smart Contracts statt. So k\u00f6nnen diese beispielweise Menschen erm\u00f6glichen, \u00fcber einen bestimmten Sachverhalt abzustimmen. Eine DAO kann entweder auf einer eigenen oder auf einer bereits existierenden und etablierten Blockchain aufgebaut werden. Damit eine auf Ethereum implementierte DAO Transaktionen durchf\u00fchren kann, ben\u00f6tigt sie \u201eEther\u201c, welches der digitale Treibstoff des Ethereum-Netzwerkes ist. Nach der Implementierung einer DAO kann Ether an die Smart Contract-Adresse der DAO geschickt werden, wof\u00fcr die DAO im Gegenzug Tokens generiert. Die generierten Token werden proportional zur transferierten Menge von Ether dem Account der schickenden Person oder des Smart Contracts gutgeschrieben. Mit diesen Token erh\u00e4lt die beteiligte Person Stimm- und Eigentumsrechte an der Organisationseinheit [Jentzsch, 2016].<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Atzei, Nicola; Bartoletti, Massimo und Cimoli, Tiziana: A survey of attacks on Ethereum smart contracts. 6th International Conference on Principles of Security and Trust (POST), European Joint Conferences on Theory and Practice of Software, 2017<\/p>\n<p>Buterin, Vitalik: A next generation smart contract and decentralized application platform. White paper, 2014<\/p>\n<p>Christidis, Konstantinos und Devetsikiotis, Michael: Blockchains and Smart Contracts for the Internet of Things. In: IEEE Access 4, S. 2292\u20132303, 2016<\/p>\n<p>Jentzsch, Christoph: Decentralized autonomous organization to automate governance. Online-Publikation, 2016, Abgerufen am 12.10.2017, von: https:\/\/download.slock.it\/public\/DAO\/WhitePaper.pdf<\/p>\n<p>K\u00f5lvart, Merit; Poola, Margus und Rull, Addi: Smart Contracts. In: The Future of Law and eTechnologies, T. Kerikm\u00e4e und A. Rull (eds.). Springer International Publishing, Basel, Cham: 133\u2013147, 2016<\/p>\n<p>Omohundro, Steve: Cryptocurrencies, smart contracts, and artificial intelligence. In: AI Matters 1 (2), S. 19\u201321, 2014<\/p>\n<p>Szabo, Nick: Formalizing and Securing Relationships on Public Networks, 1997, Abgerufen am 12.10.2017, von http:\/\/journals.uic.edu\/ojs\/index.php\/fm\/article\/view\/548\/469#1<\/p>\n<p>Tuesta, David; Alonso, Javier; Vegas, Isabel; C\u00e1mara, Noelia; P\u00e9rez, Mair\u00eda Luisa; Urbiola, Pablo und Sebasti\u00e1n, J.: Smart contracts: the ultimate automation of trust?, 2015, Abgerufen am 12.10.2017, von https:\/\/www.bbvaresearch.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Digital_Economy_Outlook_Oct15_Cap1.pdf<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nils Urbach Aus technischer Sicht sind Smart Contracts eigenst\u00e4ndige Computerprogramme, die programmierte Aktionen innerhalb einer Blockchain gem\u00e4\u00df hinterlegten Regeln automatisiert ausf\u00fchren k\u00f6nnen, wenn ein zuvor definiertes Ereignis eintritt. 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