{"id":5462,"date":"2019-04-08T12:33:33","date_gmt":"2019-04-08T10:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/?page_id=5462"},"modified":"2021-03-29T20:10:34","modified_gmt":"2021-03-29T18:10:34","slug":"profil-der-wirtschaftsinformatik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/uebergreifender-teil\/disziplinen-der-wi\/wirtschaftsinformatik\/profil-der-wirtschaftsinformatik\/","title":{"rendered":"Profil der Wirtschaftsinformatik"},"content":{"rendered":"<p>WKWI und GI FB WI*<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Die folgenden Ausf\u00fchrungen formulieren das Profil der Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum, wie es von der wissenschaftlichen Gemeinschaft, den Mitgliedern der Wissenschaftlichen Kommission Wirtschaftsinformatik (WKWI) im Verband der Hochschullehrer f\u00fcr Betriebswirtschaft e.V. (VHB) sowie dem Fachbereich Wirtschaftsinformatik in der Gesellschaft f\u00fcr Informatik e.V. (GI), einm\u00fctig\u2020 vertreten wird.<\/em><\/p>\n<h2>Gegenstand der Wirtschaftsinformatik<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Gegenstand der Wirtschaftsinformatik sind Informationssysteme (IS) in Wirtschaft, Verwaltung und privatem Bereich.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">IS sind soziotechnische Systeme, die menschliche und maschinelle Komponenten (Teilsysteme) umfassen. Sie unterst\u00fctzen die Sammlung, Strukturierung, Verarbeitung, Bereitstellung, Kommunikation und Nutzung von Daten, Informationen und Wissen sowie deren Transformation. IS tragen zur Entscheidungsfindung, Koordination, Steuerung und Kontrolle von Wertsch\u00f6pfungsprozessen sowie deren Automatisierung, Integration und Virtualisierung unter insbesondere \u00f6konomischen Kriterien bei. IS k\u00f6nnen Produkt-, Prozess- und Gesch\u00e4ftsmodellinnovationen bewirken.<\/p>\n<h2>Ziele der Wirtschaftsinformatik<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ziele der Wissenschaftsdisziplin Wirtschaftsinformatik sind<\/p>\n<p class=\"wl_einschub\">(a) die (Weiter-) Entwicklung von Theorien, Methoden und Werkzeugen zur Gewinnung intersubjektiv \u00fcberpr\u00fcfbarer Erkenntnisse \u00fcber IS,<\/p>\n<p class=\"wl_einschub\">(b) die gestaltungsorientierte Konstruktion von IS sowie die daf\u00fcr notwendige (Weiter-) Entwicklung von Konzepten, Vorgehensweisen, Modellen, Methoden, Werkzeugen und (Modellierungs-) Sprachen,<\/p>\n<p class=\"wl_einschub\">(c) die Erzielung eines realwissenschaftlichen Verst\u00e4ndnisses von Einsatz, Akzeptanz, Management und Beherrschbarkeit von IS sowie von ihren jeweiligen Systemelementen, etwa im Hinblick auf das Verhalten von Menschen in und mit diesen Systemen als Aufgabentr\u00e4ger oder Anwender,<\/p>\n<p class=\"wl_einschub\">(d) die prim\u00e4r wirtschaftswissenschaftlich fundierte Bewertung von Risiko-, Nutzen-, und Wirtschaftlichkeitsdimensionen bei Gestaltung und Einsatz von IS, der durch sie ver\u00e4nderten Wertsch\u00f6pfungsprozesse sowie der damit verbundenen strategischen und organisatorischen Auswirkungen auf Individuen, Gruppen, Unternehmen, Branchen und Wirtschaftsr\u00e4ume, und<\/p>\n<p class=\"wl_einschub\">(e) die Prognose technischer und nichttechnischer Entwicklungen und Auswirkungen des Einsatzes von IS.<\/p>\n<h2>Wirtschaftsinformatik als Wissenschaftsdisziplin<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Wirtschaftsinformatik ist eine eigenst\u00e4ndige, interdisziplin\u00e4re Wissenschaft. Sie hat ihre Wurzeln in der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften, insbesondere der Betriebswirtschaftslehre. Die Wirtschaftsinformatik l\u00e4sst sich als Realwissenschaft klassifizieren, da Ph\u00e4nomene der Wirklichkeit untersucht werden. Sie tr\u00e4gt dabei insbesondere Wesensz\u00fcge einer Ingenieurswissenschaft, da die Gestaltung von Informationssystemen eine Konstruktionssystematik verlangt. Ebenso hat die Wirtschaftsinformatik Bez\u00fcge zu den Verhaltenswissenschaften, da diese Theorien und Methoden zur Analyse der sozialen Wirklichkeit bereitstellen. Die Wirtschaftsinformatik beinhaltet auch Elemente einer Formalwissenschaft, da die Analyse und Gestaltung von Informationssystemen der Entwicklung und Anwendung formaler Beschreibungsverfahren bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Wirtschaftsinformatik wird nicht von einer einzelnen Theorie, Methode oder Perspektive dominiert. Eine enge Verzahnung mit der Praxis zum Zwecke der Gewinnung und Validierung von Erkenntnissen ist dabei w\u00fcnschenswert und notwendig.<\/p>\n<h2>Relevanz und Anspruch der Wirtschaftsinformatik<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">In nahezu allen denkbaren \u00f6konomischen, politischen und sozialen Zusammenh\u00e4ngen spielen Informationssysteme eine unverzichtbare Rolle. Angesichts zunehmender Ubiquit\u00e4t von IT und der damit einhergehenden Informatisierung unserer Lebens- und Arbeitswelt sowie der zunehmenden Vernetzung von Menschen, Diensten und Dingen weitet sich das Aufgabenspektrum der Wirtschaftsinformatik aus und w\u00e4chst ihre Bedeutung f\u00fcr innovative L\u00f6sungsbeitr\u00e4ge zur weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Auseinandersetzung mit der geeigneten Gestaltung und dem Einsatz von Informationssystemen in wirtschaftlich und gesellschaftlich bedeutenden Kontexten wie etwa Ressourcenbewirtschaftung, Energie, Sicherheit, Gesundheit und Versorgung, Verkehr, Umwelt, Produktion, Finanzwesen, Bildung, Medien, Kommunikations-Infrastrukturen, Vernetzung \u2013 definiert Relevanz und Anspruch wirtschaftsinformatorischer Forschung und Lehre sowie des Transfers in die Praxis.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">* Grundlage: Ergebnis der Arbeitsgruppe \u201eProfil der Wirtschaftsinformatik\u201c (2009-2011) \u2013 Schoder, D. (Sprecher); Bichler, M.; Buhl, U.; Hess, Th.; Krcmar, H.; Sinz, E.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">\u2020 Einstimmiger Beschluss der gemeinsamen Sitzung der Wissenschaftlichen Kommission Wirtschaftsinformatik (WKWI) im Verband der Hochschullehrer f\u00fcr Betriebswirtschaft e.V. und des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik (FB WI) in der Gesellschaft f\u00fcr Informatik e.V. (GI) vom 18. Februar 2011, Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WKWI und GI FB WI* Die folgenden Ausf\u00fchrungen formulieren das Profil der Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum, wie es von der wissenschaftlichen Gemeinschaft, den Mitgliedern der Wissenschaftlichen Kommission Wirtschaftsinformatik (WKWI) im Verband der Hochschullehrer f\u00fcr Betriebswirtschaft e.V. 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