{"id":4430,"date":"2019-04-08T12:33:33","date_gmt":"2019-04-08T10:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/index.php\/produktionsprogrammplanung-strategische\/"},"modified":"2021-03-06T10:50:23","modified_gmt":"2021-03-06T09:50:23","slug":"produktionsprogrammplanung-strategische","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/inner-und-ueberbetriebliche-informationssysteme\/sektorspezifische-anwendungssysteme\/produktionsplanungs-und-steuerungssystem\/produktionsprogrammplanung-strategische\/","title":{"rendered":"Produktionsprogrammplanung, strategische"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Dietrich Adam\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/adam-prof-dr-em-dietrich\/\">Dietrich Adam<\/a>,\u00a0<span class=\"documentAuthor\"><a title=\"Rainer Sibbel\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/sibbel-prof-dr-rainer\/\">Rainer Sibbel<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Kernaufgabe der strategischen Produktionsprogrammplanung ist es, durch die langfristige Wahl der M\u00e4rkte, Produktfelder und Produktionskonzepten die langfristigen Erfolgspotentiale eines Unternehmens festzulegen. Die zeitliche und inhaltliche Konkretisierung erfolgt im Rahmen der untergeordneten taktischen und operativen Planung.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"NORMALChar\">Die Produktionsprogrammplanung wird sinnvoller Weise in ein <\/span><span class=\"LINKChar\">hierarchisches, r\u00fcckgekoppeltes Planungskonzept<\/span><span class=\"NORMALChar\"> mit der <\/span><em>strategischen<\/em> Planung<span class=\"NORMALChar\"> als oberster Planungsebene, der <\/span><em><span class=\"LINKChar\">taktischen<\/span><\/em><span class=\"NORMALChar\"> sowie der <\/span><em><span class=\"LINKChar\">operativen<\/span><\/em><span class=\"NORMALChar\"> als nachfolgende Stufen eingebettet [Adam 1996, S. 374 ff, Kistner, Witalski 1989, S. 478 ff]. Die Planungsergebnisse einer Planungsebene sind Vorgaben der nachfolgenden Ebene, die diese konkretisiert<\/span>.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den \u00fcbergeordneten Planungsebenen wird versucht, die langfristigen, dynamischen Wirkun\u00adgen von Programmentscheidungen zu erfassen, w\u00e4hrend die operative Planung nur eine Perio\u00adde (statischer Ansatz) umfasst. Durch die stufenweise Planung und die unterschiedlichen zeitli\u00adchen Reichweiten der Planungsebenen werden die Interdependenzen zwischen den Ebenen nicht vollst\u00e4ndig erfasst, weshalb eine R\u00fcckkopplung sinnvoll ist [Corsten, G\u00f6ssinger 2016, S. 26 ff]. Treten in der operativen Pla\u00adnung wesentliche <span class=\"LINKChar\">Abweichungen<\/span> zwischen Soll und Ist auf, ist das Anlass, die taktische Pro\u00adgrammplanung auf Stimmigkeit zu hinterfragen. Entsprechendes gilt f\u00fcr die taktische und strategische Planung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das <span class=\"LINKChar\">Entscheidungsfeld<\/span> der strategischen Planung ist offen [Adam 1996, S. 16 ff]; die k\u00fcnfti\u00adgen Handlungsalternativen (M\u00e4rkte, Produkte, Produktionsverfahren, Kapazit\u00e4ten) sind nur zum Teil bekannt. Zudem sind die verf\u00fcgbaren Informationen sehr unsicher. Die operative Pla\u00adnung geht von einem geschlossenen Entscheidungsfeld mit sicheren Daten aus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die strategische Planung dient der Festlegung der zuk\u00fcnftigen Erfolgspotentiale; sie muss dazu vier Grundfragen beantworten:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li>\n<div class=\"BULLETmE\">Welche Perspektive\u00a0besitzen die aktuellen Produkte im Sinne langfristiger Markt- und\u00a0Wettbewerbsbedingungen sowie des Produktlebenszyklus [Corsten, G\u00f6ssinger 2016, S. 28]?<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"BULLETmE\">Welche Erfolg versprechenden Produkt- oder Anwendungsideen sind neu zu entwickeln (<span class=\"LINKChar\">Forschung &amp; Entwicklung<\/span>) [Adam 1998, S. 158 ff, Brockhoff 1999, S. 4 ff]? Zudem muss entschieden werden, wann Produkte aus dem Programm zu eliminieren sind.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"BULLETmE\">Welches Qualit\u00e4tsniveau der Produkte ist erforderlich, um am Markt bestehen zu k\u00f6nnen (<span class=\"LINKChar\">Qualit\u00e4tsmanagement<\/span>) [Buzzell, Gale 1989, S. 91 ff]?<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"BULLETmE\">Welche der zur Produktion erforderlichen Baugruppen oder Teile sind selbst zu fertigen bzw. fremd zu beziehen?<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"BULLETmE\">Welche generelle Struktur soll die Produktion haben, d. h. Fragen der <span class=\"LINKChar\">Materialflussplanung<\/span> und Prozessgestaltung sind zu kl\u00e4ren [Wildemann 1998, S. 47 ff]?<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Gerade durch die Wahl der <span class=\"LINKChar\"><a class=\"internal-link\" title=\"Outsourcing\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/uebergreifender-teil\/outsourcing\/\">Fertigungstiefe<\/a><\/span> [Adam 1998, S. 197 ff, Hinterhuber, Vogel 1986, S. 58 ff] und die Strukturierung der Produktion kann auf die <span class=\"LINKChar\">Komplexit\u00e4t<\/span> der Produktion, die Auftragsabwicklungszeiten und die Produktionskosten nachhaltig Einfluss genommen werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die operative Programmplanung basiert auf gegebenen Potentialen. Sie reduziert das Pla\u00adnungsproblem auf die Frage: Welche Mengen der Produkte des Rahmenprogramms sollen bei Gewinnmaximierung in einer Periode hergestellt werden? Diese Planung geht von weitgehend sicheren Daten (Absatzmengen, Kapazit\u00e4ten, Produktionskoeffizienten, Deckungsspannen) aus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die langfristige Planung soll auch positiv auf den Gewinn wirken; es ist aber in der Regel un\u00adm\u00f6glich, die Gewinnwirkungen neuer Produkte oder verbesserter Qualit\u00e4t exakt zu quantifi\u00adzieren. Die langfristigen \u00dcberlegungen zum Programm gehen daher meistens von qualitativen Ersatzzielen \u2013 wie K\u00e4uferpr\u00e4ferenzen oder <span class=\"LINKChar\">Kundenzufriedenheit<\/span> \u2013 aus. Wegen des schwachen Informationsstandes werden h\u00e4ufig qualitative, heuristische Verfahren (z. B. <span class=\"LINKChar\">Scoring-Modelle<\/span> [Adam 1996, S. 412 ff]) f\u00fcr die Bewertung von Produktideen eingesetzt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Konstruktionsphase von Produkten, die sich an die Ideenfindung anschlie\u00dft, sollte m\u00f6g\u00adlichst eine <span class=\"LINKChar\">Risikoanalyse<\/span> [Adam 1996, S. 265 ff.] auf der Basis von Ausgaben und Einnahmen erfolgen. F\u00fcr die mit Unsicherheit behafteten Zahlungen sind Risikoprofile zu erzeugen, um sinnvoll zwischen alternativen Strategien w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Diese Bewertung sollte sich auf den gesamten Lebenszyklus eines Produktes beziehen, wie z. B. beim <span class=\"LINKChar\">Life-Cycle-Costing<\/span> [Coe\u00adnenberg 2016, S. 611 ff].<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zur langfristigen Planung geh\u00f6rt auch, dar\u00fcber nachzudenken, wann alte Produkte aus dem Produktionsprogramm eliminiert werden [Brauckschulze 1983, S. 1 ff], da ihr Erfolgsbeitrag zu gering ist oder weil sie jungen Produkten die n\u00f6tigen Ressourcen in der Fertigung wie im Ma\u00adnagement entziehen. Alte Produkte werden vielfach zu sp\u00e4t aus den Programmen gestrichen, da ein kleiner, aber sicherer <span class=\"LINKChar\">Deckungsbeitrag<\/span> mit Altprodukten einer mit starker Unsicherheit verbundenen Erfolgschance mit Neuprodukten vorgezogen wird.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die langfristige Programmplanung muss zeit\u00fcbergreifende Wirkungen erfassen. Dazu geh\u00f6ren z. B. <span class=\"LINKChar\">Lerneffekte<\/span> [Adam 2001, S. 1241 ff]. Gem\u00e4\u00df dem <span class=\"LINKChar\">Erfahrungskurvenkonzept<\/span> sinken die Kosten und der Faktoreinsatz je Mengeneinheit eines Produktes mit zunehmender kumulierter Produktionsmenge. Junge Produkte haben h\u00e4ufig in der Anfangsphase des Lebenszyklus ge\u00adringe Deckungsspannen bei gleichzeitig hohen <a class=\"internal-link\" title=\"Produktionskoeffizient\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/inner-und-ueberbetriebliche-informationssysteme\/sektorspezifische-anwendungssysteme\/produktionsplanungs-und-steuerungssystem\/pps-system-stammdaten\/stueckliste\/produktionskoeffizient\/\">Produktionskoeffizienten<\/a>. In der operativen Pro\u00adgrammplanung werden sie dann eliminiert, da ihre relative Deckungsspanne zu gering ist. Das f\u00fchrt zu einer systematischen Benachteiligung junger durch alte Produkte. Aufgabe der l\u00e4n\u00adgerfristigen Planung ist es, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass operative und langfristige Planung im Einklang stehen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Adam, D.: Produktionsmanagement. 9. Auflage, Wiesbaden : Gabler, 1998.<\/p>\n<p>Adam, D.: Planung und Entscheidung. 4. Auflage, Wiesbaden : Gabler, 1996.<\/p>\n<p>Adam, D.: Dynamische Programm- und Investitionsplanung bei Lerneffekten. In: ZfB 71 (2001), Nr. 11, S. 1241-1262.<\/p>\n<p>Brauckschulze, U.: Die Produktelimination. M\u00fcnster, 1983.<\/p>\n<p>Brockhoff, K.: Forschung und Entwicklung. 5. Auflage, M\u00fcnchen : Oldenbourg, 1999.<\/p>\n<p>Buzell, R. D., Gale, B. T.: Das PIMS-Programm: Strategien und Unternehmenserfolg. Wiesbaden : Gabler, 1989.<\/p>\n<p>Coenenberg, A. G.: Kostenrechnung und Kostenanalyse. 9. Auflage, Stuttgart : Sch\u00e4ffer-Poeschel, 2016.<\/p>\n<p>Corsten, H., G\u00f6ssinger, R.: Produktuionswirtschaft, 14. Auflage, Berlin : De Gruyter Oldenbourg, 2016.<\/p>\n<p>Hinterhuber, H. H., Vogel, A. A: Die strategische Analyse der vertikalen Integration und der Diversifikaxadtion. In: Journal f\u00fcr Betriebswirtschaft 1986, S. 52-75.<\/p>\n<p>Kistner, K.-P., Switalski, M.: Hierarchische Produktionsplanung. In: ZfB 59 (1989), S. 477-503.<\/p>\n<p>Wildemann, H.: Komplexit\u00e4tsmanagement durch Proze\u00df- und Produktgestaltung. In: Adam, Dietrich (Hrsg.): Komplexit\u00e4tsmanagement. Schriften zur Unternehmensf\u00fchrung Band 61, Wiesbaden : Dr. Th. Gabler Verlag, 1998, S. 47-68.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dietrich Adam,\u00a0Rainer Sibbel Kernaufgabe der strategischen Produktionsprogrammplanung ist es, durch die langfristige Wahl der M\u00e4rkte, Produktfelder und Produktionskonzepten die langfristigen Erfolgspotentiale eines Unternehmens festzulegen. 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