{"id":4220,"date":"2019-04-08T12:33:25","date_gmt":"2019-04-08T10:33:25","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/index.php\/lernplattform\/"},"modified":"2021-03-04T18:04:09","modified_gmt":"2021-03-04T17:04:09","slug":"lernplattform","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/uebergreifender-teil\/e-learning-technologie\/lernplattform\/","title":{"rendered":"Lernplattform"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Michael H. Breitner\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/breitner-prof-dr-michael-h\/\">Michael H. Breitner<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Eine Lernplattform stellt den komplexen, technischen Rahmen f\u00fcr diverse E(lectronic)-Learning-Szenarios zur Verf\u00fcgung. Sie basiert auf Hardware, Software und nutzenden Menschen. Die Auswahl einer Lernplattform ist ein komplexer, aufw\u00e4ndiger Entscheidungsprozess und deren Wirtschaftlichkeit muss genau analysiert werden. Lern-, Wissens- und Personalmanagementsysteme wachsen durch Konvergenz und Integration zusammen.<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine <span class=\"wl_hervorhebung\">Lernplattform <\/span>(engl. <span class=\"wl_hervorhebung\">Learning Management System, LMS<\/span>) ist \u2013 im besten Sinne der Wirtschaftsinformatik \u2013 ein i. d. R. sehr komplexes, offenes und h\u00f6chstdynamisches System mit Hardware, Software und nutzenden Menschen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zur <span class=\"wl_hervorhebung\">Hardware<\/span> z\u00e4hlen ein Server, der webbasiert (Thin Client) oder allg. Client\/Server basiert (auch Fat oder Smart Client) arbeitet, Internet- oder Intranet sowie Endger\u00e4te (in den letzten Jahren auch mehr und mehr internetf\u00e4hige Smartphones und Tablets) zur Nutzung der Lernplattform.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zur <span class=\"wl_hervorhebung\">Software<\/span> (i. d. R. 3- oder 4-Schichten-Architektur, vgl. auch allgemeine <a class=\"internal-link\" title=\"Qualit\u00e4tsmerkmale von Software\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/entwicklung-und-management-von-informationssystemen\/systementwicklung\/management-der-systementwicklung\/software-qualitaetsmanagement\/qualitaetsmerkmale-von-software\/\">Softwarequalit\u00e4tsrichtlinien<\/a>) z\u00e4hlen <a class=\"internal-link\" title=\"Datenbanksystem\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/datenmanagement\/datenbanksystem\/\">Datenbanken<\/a>, z. B. f\u00fcr Lerninhalte und Nutzerdaten, Schnittstellen zur Integration in IT-Infrastrukturen, Oberfl\u00e4chen f\u00fcr die Nutzer und teils auch KI-Module, z. B. zur Eingabeanalyse von Text oder Sprache.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zu den <span class=\"wl_hervorhebung\">Menschen<\/span>, die eine Lernplattform nutzen, geh\u00f6ren Lerner, Autoren, Lehrer und Tutoren. Dar\u00fcberhinaus werden Administratoren und System-Entwickler, auch f\u00fcr die permanente Weiterentwicklung, Wartung und Pflege, ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Lernplattform stellt den technischen Rahmen f\u00fcr jedes umfangreichere <span class=\"wl_hervorhebung\">E(lectronic)-Learning-Szenario<\/span> zur Verf\u00fcgung: \u201eA learning management system uses the Internet technologies to manage the interaction between users and learning resources. [\u2026] In addition, a learning management system is essential for creating an environment where employees can plan, access, launch, and manage e-learning on their own\u201d [Rosenberg\u00a0 2001, S. 161], vgl. auch\u00a0Abbildung 1 zur Klassifikation von E-Learning-Szenarien (Quelle: Eigene Darstellung) und z. B. [Schulmeister 2005].<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Lernplattform1.png\" alt=\"E-L Szenarios_4\" width=\"721\" height=\"460\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">Abb. 1: Klassifikation von E-Learning-Szenarien<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die meisten Lernplattformen enthalten heute auch Tools zum sogenannten Rapid Authoring, mit denen es auch ohne Programmierkenntnisse m\u00f6glich ist, Lerninhalte zu erstellen. Die <span class=\"wl_hervorhebung\">Kernfunktionalit\u00e4ten einer modernen Lernplattform<\/span> werden wie folgt zusammengefasst, vgl. [Hohenstein\/Wilbers (Hrsg.) 2012, diverse Beitr\u00e4ge zur Funktionalit\u00e4t und Auswahl einer Lernplattform]:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Darstellung der Lerninhalte, i. d. R. in einem Webbrowser, inkl. Interaktion, Multimedia-Inhalten und lernerspezifischen Lernpfaden,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">vollautomatische Verwaltung der Lern-, Pr\u00fcfungs- und Nutzerdaten inklusive Rollen- und Rechteverwaltung,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">automatisierte Leistungseinsch\u00e4tzung der Lerner, z. B. durch Einstufungstests,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">automatisierte \u00dcberwachung des Lernfortschritts der Lerner, z. B. mit Leistungskontrollen,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">automatisierte Evaluation von Lernmodulen, Autoren, Lehrern und Tutoren,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">individuelle Berichterstattung, z. B. Lernfortschritt und Nutzungsh\u00e4ufigkeit,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Unterst\u00fctzung von Lerngruppen und Wissensgemeinschaften (Kollaboration), z. B. \u00fcber Chatfunktionen, Collaboration-Rooms, Wikis, Foren und Blackboards (und andere &#8222;Social Media&#8220;),<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Systemintegration zur bestehenden IT-Infrastruktur, insbes. zu <a class=\"internal-link\" title=\"Personalmanagement\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/informationsmanagement\/informationsmanagement-aufgaben-des\/personalmanagement\/\">Personalmanagementsystemen<\/a>, <a class=\"internal-link\" title=\"Wissensmanagement, Strategien des\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/wissensmanagement\/wissensmanagement-strategien-des\/\">Wissensmanagementsystemen<\/a>, Produkt- und Prozessdatenbanken usw.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vgl. auch die Architektur einer modernen Lernplattform nach Schulmeister in Abbildung 2 [Schulmeister 2005, S. 11].<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Lernplattform2.png\" alt=\"Architektur_4\" width=\"517\" height=\"352\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">Abb. 2: Architektur einer modernen Lernplattform<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im internationalen Vergleich gibt es Dutzende Lernplattformen mit individuellen Vor- und Nachteilen und individuellen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, deren Software teils kommerziell lizensiert werden muss, teils aber auch <a class=\"internal-link\" title=\"Open-Source-Software\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/uebergreifender-teil\/kontext-und-grundlagen\/markt\/open-source-software\/\">Open-Source<\/a> oder Shareware ist. Grunds\u00e4tzlich ist die <span class=\"wl_hervorhebung\">Auswahl einer Lernplattform<\/span> ein komplexer und aufw\u00e4ndiger Entscheidungsprozess, und Fehlentscheidungen bei der Auswahl gef\u00e4hrden den Erfolg von <a class=\"internal-link\" title=\"E-Learning\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/uebergreifender-teil\/e-learning-strategie\/\">E-Learning<\/a>-Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zuerst muss stets eine Ist-Analyse durchgef\u00fchrt werden, d. h. die Anforderungen und Bedarfe der sp\u00e4teren Nutzer an eine Lernplattform und gew\u00fcnschte Lernszenarien m\u00fcssen detailiert beschrieben werden (Art der Inhalte, Art des Lernens, Funktionalit\u00e4t usw.).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dann muss ein (grobes) Soll-Konzept erstellt werden, und Alternativen m\u00fcssen aufgezeigt und sinnvoll bewertet werden, z. B. \u00fcber eine\u00a0 <a class=\"internal-link\" title=\"Balanced Scorecard\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/technologische-und-methodische-grundlagen\/methoden-zur-unterstuetzung-des-strategischen-managements\/balanced-scorecard\/\">Balanced-Scorecard<\/a>. Besonders wichtig und schwierig ist dabei die Nutzenanalyse einer Lernplattform \u2013 und allgemein eines Lernszenarios \u2013 und damit\u00a0 verbunden die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit (= Verh\u00e4ltnis Kosten zu Nutzen) einer Lernplattform.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach der Auswahl einer Lernplattform muss ein (feines) Datenverarbeitungskonzept erstellt werden, und die Rollen der Nutzer in dem Lernszenario m\u00fcssen festgelegt werden. Eine Rolle definiert sich durch Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Ressourcen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Danach ist ein Einf\u00fchrungs- bzw. Migrationsplan zu erstellen (u. a. f\u00fcr die Daten und Lerninhalte sowie f\u00fcr Schnittstellen), der nur sukzessive verfeinert werden kann. Nutzerakzeptanzproblemen und Reaktanz m\u00fcssen dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, insbes. m\u00fcssen die sp\u00e4teren Nutzer der Lernplattform permanent transparent informiert und in die Entscheidungsprozesse \u2013 soweit als m\u00f6glich \u2013 mit einbezogen werden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zuletzt erfolgt die Freigabe f\u00fcr den Produktivbetrieb mit anschlie\u00dfender Wartung und Pflege sowie Evaluation der Lernplattform. N\u00f6tig sind i. d. R. permanente, durchdachte Schulungen neuer und migrierter Nutzer.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Begleitend ist ein professionelles IT-Projektmanagement und Qualit\u00e4tsmanagement notwendig. Generell ist dringend anzuraten, f\u00fcr die Auswahl einer Lernplattform ein <span class=\"wl_hervorhebung\">herstellerunabh\u00e4ngiges, begleitendes Consulting<\/span> zu beauftragen, falls Expertenwissen intern nicht verf\u00fcgbar ist (vgl. auch [Baumgartner 2002] oder [Hohenstein 2008]).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Beispiele f\u00fcr <span class=\"wl_hervorhebung\">weitverbreitete Lernplattformen<\/span> sind:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Moodle (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.ilias.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">moodle.org<\/a>)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ilias (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.ilias.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ilias.de<\/a>)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">CLIX (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.im-c.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.im-c.de<\/a> -&gt; CLIX)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">IBT Server (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.time4you.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.time4you.de<\/a> -&gt; IBT Server)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">SAP Enterprise Learning (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.sap.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.sap.com<\/a> -&gt; SAP Enterprise Learning)<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Neben den weitverbreiteten Lernplattformen gibt es eine Vielzahl \u201ekleiner, aber feiner\u201c Lernplattformen, die oft sehr spezielle Funktionalit\u00e4ten bieten, z. B. das Hannoveraner UbiLearn\u00a9-System. UbiLearn\u00a9\u00a0 unterst\u00fctzt online und offline Lernen (WBT\/CBT) auf Desktops, Laptops, PDAs und Smartphones, d. h. auch M(obile)-Learning.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Anforderungsanalyse f\u00fcr eine Lernplattform soll folgende Aspekte ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche E-Learningszenarien sollen und k\u00f6nnen unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche Spezifika sollen und k\u00f6nnen unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche Funktionalit\u00e4ten sollen und k\u00f6nnen unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche grundlegenden Anforderungen aus der Sicht der Lerner, Lehrer, Autoren, Tutoren und Administratoren bestehen?<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen herrschen?<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Welche generellen Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken durch den Einsatz einer Lernplattform entstehen?<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nachdem die erste, \u00fcbertrieben gro\u00dfe Euphorie \u00fcber<a class=\"internal-link\" title=\"E-Learning\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/uebergreifender-teil\/e-learning-strategie\/\"> E-Learning<\/a> mit zu positiven Zukunftsvisionen verflogen ist, ist damit auch die Zeit der au\u00dferordentlich hohen Investitionen in diese neue Lernform vorbei. Das f\u00fcr durch E-Learning-Plattformen realisierte Szenarien erwartete und erzielte Kosten\/Nutzen-Verh\u00e4ltnis, d. h. die Wirtschaftlichkeit, muss heute genau analysiert werden. Die <span class=\"wl_hervorhebung\">schwierige Nutzenanalyse<\/span> ist dabei z. B. mit Vier- bzw. Sechs-Ebenen-Ans\u00e4tzen der Evaluation nach [Kirpatrick 1998] und [Schenkel 2000] m\u00f6glich, vgl. nachfolgende Abbildung 3 (Quelle: Eigene Darstellung).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Lernplattform3.jpeg\" alt=\"ROI\" width=\"650\" height=\"446\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">Abb. 3: Nutzenanalyse mit Vier- bzw. Sechs-Ebenen-Ans\u00e4tzen der Evaluation nach Kirkpatrick und Schenkel<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum Nutzen d\u00fcrfen dabei nicht nur leicht quantifizierbare Kostensenkungspotentiale bzw. nichtquantifizierbarer Nutzen in Form von r\u00e4umlicher und zeitlicher Flexibilit\u00e4t gez\u00e4hlt werden. Der schwer greifbare Gesamtnutzen muss systematisch unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden. Hierdurch wird auch eine strukturierte Lokalisierung von Schwachstellen von Lernplattformen, -szenarien und -angeboten erm\u00f6glicht. M\u00fcnden die Ergebnisse in Verbesserungsma\u00dfnahmen, so kann der durch die Bildungsma\u00dfnahme erzielbare Output optimiert werden, was sich im Idealfall in einer direkten Steigerung des ROI ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aus den theoretischen Beschreibungen von [Kirkpatrick 1998] und [Schenkel 2000] sowie Praxisberichten \u00fcber durchgef\u00fchrte E-Learning-Projekte (\u201eBest practices\u201c) lassen sich m\u00f6gliche Evaluationsmethoden f\u00fcr die einzelnen Ebenen ableiten, vgl. Abbildung 4 (Quelle: Eigene Darstellung).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Lernplattform4.png\" alt=\"Nutzenbewertung_5\" width=\"690\" height=\"263\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">Abb. 4: Evaluationsmethoden f\u00fcr einzelne Ebenen<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Betrachtet man die Ergebnisse von Studien sowie die Praxisberichte \u00fcber die Evaluation von Seminaren zur betrieblichen Bildung, so f\u00e4llt auf, dass sich diese h\u00e4ufig nur auf die Reaktionsebene beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Unternehmen und Organisationen fragen verst\u00e4rkt <span class=\"wl_hervorhebung\">Lern-, Wissens- und <a class=\"internal-link\" title=\"Personalmanagement\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/informationsmanagement\/informationsmanagement-aufgaben-des\/personalmanagement\/\">Personalmanagementsysteme<\/a><\/span> zur informationstechnologischen Unterst\u00fctzung nach. Softwareanbieter sind i. d. R. auf einen Bereich spezialisiert und bieten entweder Lern-, Wissens- oder Personalmanagementsysteme an. Zunehmende Prozess- und Wissensorientierung erfordert jedoch eine <span class=\"wl_hervorhebung\">Integration <\/span>aller Systeme und die Anbindung \u00fcber Schnittstellen, oft auch so genannte <a class=\"internal-link\" title=\"Middleware\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/entwicklung-und-management-von-informationssystemen\/systementwicklung\/softwarearchitektur\/middleware\/\">Middleware<\/a>. Softwarehersteller reagieren auf diese Trends mit einer Erg\u00e4nzung und Optimierung ihrer Produktportfolios. Im Zuge von Softwarestandardisierung und -harmonisierung beobachtet man derzeit ferner eine <span class=\"wl_hervorhebung\">Konvergenz <\/span>der unterschiedlichen Systeme. Funktionalit\u00e4ten, die fr\u00fcher nur \u00fcber mehrere Spezialsoftwarel\u00f6sungen abgedeckt werden konnten, werden heute in einer Produktsuite angeboten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Spannungsfeld zwischen \u201eBest-of-breed\u201c- und Standardsoftwarepaketen stellt sich f\u00fcr Unternehmen und Organisationen daher die (oft essentiell) wichtige Frage, ob sie in diesem Bereich Individualsoftware bzw. verschiedene Produkte oder integrierte Standardsoftware einsetzen sollen, um Redundanzen zu vermeiden und die Anzahl der Schnittstellen zu reduzieren. Systeme werden dabei nicht zum Selbstzweck eingef\u00fchrt, sondern sie m\u00fcssen ihren betriebswirtschaftlichen Nutzen \u00fcberzeugend nachweisen. Dazu m\u00fcssen die Systeme auch entsprechende Controllingm\u00f6glichkeiten bieten, z. B. \u00fcber die Messung von Nutzerzahlen. Hinsichtlich der Konvergenz kann konstatiert werden, dass sie in einigen F\u00e4llen sinnvoller (Lernplattform und Wissensmanagement) und in anderen weniger sinnvoll (Lernplattform und Personalmanagement bzw. Wissensmanagement und Personalmanagement) erscheint. Hier kann es durchaus zielf\u00fchrend sein, getrennte Systeme zu benutzen und lediglich ausgew\u00e4hlte Stammdaten auszutauschen. Umfassende L\u00f6sungen werden bislang lediglich von sehr wenigen Herstellern wie z. B. <a class=\"internal-link\" title=\"SAP\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/inner-und-ueberbetriebliche-informationssysteme\/sektorspezifische-anwendungssysteme\/enterprise-resource-planning\/enterprise-resource-planning-system\/erp-system-anbieter\/sap\/\">SAP <\/a>oder <a class=\"internal-link\" title=\"Oracle\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/inner-und-ueberbetriebliche-informationssysteme\/sektorspezifische-anwendungssysteme\/enterprise-resource-planning\/enterprise-resource-planning-system\/erp-system-anbieter\/oracle\/\">Oracle <\/a>angeboten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Analyse von Lern-, Wissens- und Personalmanagementsystemen zeigt, dass z. B. Lernplattformen vielfach auch Funktionalit\u00e4ten aus dem <a class=\"internal-link\" title=\"Wissensmanagement, Strategien des\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/wissensmanagement\/wissensmanagement-strategien-des\/\">Wissensmanagement <\/a>abdecken bzw. Wissensmanagementsysteme vielfach Funktionalit\u00e4ten von Lern- und Personalmanagementsystemen integriert haben. Folgende <span class=\"wl_hervorhebung\">Strategien <\/span>lassen sich daraus f\u00fcr <span class=\"wl_hervorhebung\">Anbieter von Softwaresystemen<\/span> ableiten:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Erweiterung bzw. Vervollst\u00e4ndigung des Produktes um zus\u00e4tzliche Funktionalit\u00e4ten, z. B. Erweiterung einer Lernplattform um <a class=\"internal-link\" title=\"Web 2.0\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/lexikon\/technologische-und-methodische-grundlagen\/rechnernetze-und-kommunikationssysteme\/internet\/web-2-0\/\">Wikis <\/a>und Weblogs, oder\/und<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Konzentration auf die Kernkompetenz, d. h. die Weiterentwicklung der Funktionalit\u00e4t des bestehenden Produkts.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">F\u00fcr <span class=\"wl_hervorhebung\">Unternehmen und Organisationen<\/span>, die die Lernplattformen einsetzen oder einsetzen wollen, lassen sich drei <span class=\"wl_hervorhebung\">Strategien <\/span>formulieren:<\/p>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bestehende IT-Infrastruktur mit der Lernplattform vernetzen,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Anbindung von neuen Applikationen \u00fcber Schnittstellen und damit Integration zwischen neuen und bestehenden Systemen (Best-of-Breed L\u00f6sung) oder<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Migration auf eine neue, integrierte Plattform (integrierte Standardsoftware), die alle ben\u00f6tigten Funktionalit\u00e4ten des Lern-, Wissens- und Personalmanagementsystems bietet.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Um zu identifizieren, welche Strategie am wahrscheinlichsten zum Erfolg f\u00fchren kann, wird folgendes Vorgehen vorgeschlagen:<\/p>\n<ol class=\"wl_nummeriert_me\" start=\"1\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"1\">\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ist-Analyse der bestehenden Systeme;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Anforderungen an die Funktionalit\u00e4t und Softwarequalit\u00e4t definieren;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Soll-\/Ist-Abgleich zwischen vorhandenen Funktionalit\u00e4ten und Anforderungen durchf\u00fchren mit m\u00f6glichen Alternativen;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Entscheidungskriterien festlegen, um f\u00fchrendes System zu identifizieren;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Migrationspfad festlegen und Migration durchf\u00fchren.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"JUSTIFY\">Abbildung 5 (Quelle: Eigene Darstellung) zeigt exemplarisch, wie eine Integration von Lern-, Wissens- und Personalmanagementsystemen mit Hilfe eines Portals m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-inline image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Lernplattform5.jpg\" alt=\"Portal\" width=\"650\" height=\"476\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">\u00a0Abb. 5: Integration von Lern-, Wissens- und Personalmanagementsystemen mit Hilfe eines Portals<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Baugartner, Peter; H\u00e4ferle, Hartmut; Maier-H\u00e4ferle, Kornelia: E-learning Praxishandbuch: Auswahl von Lenplattformen: Markt\u00fcberischt &#8211; Funktionen &#8211; Fachbegriffe. Innsbruck: Studien Verlag, 2002.<\/p>\n<p>Hohenstein, Andreas; Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning: Das aktuelle Nachschlagewerk aus Wissenschaft und Praxis. K\u00f6ln: Deutscher Wirtschaftsdienst, Wolters Kluwer, 2012 (inkl. 42. Erg.-Lfg., Stand Juni 2012).<\/p>\n<p>Kirkpatrick, Donald L.: Evaluating Training Programs: The Four Levels. San Francisco: Berrett-Koehler, 1998.<\/p>\n<p>Rosenberg, Marc J.: E-Learning: Strategies for Delivering Knowledge in the Digital Age. Mc-Graw Hill Professional, 2001<\/p>\n<p>Schenkel, Peter: Ebenen und Prozesse der Evaluation. In: Schenkel, Peter; Tergan, Sigmar-Olaf; Lottmann, Alfred (Hrsg.): Qualit\u00e4tsbeurteilung multimedialer Lern- und Informationssysteme. N\u00fcrnberg: BW Bildung und Wissen, 2000, S. 52-74.<\/p>\n<p>Schulmeister, Rolf: Lernplattformen f\u00fcr das virtuelle Lernen: Evaluation und Didaktik. 2. Auflage. M\u00fcnchen: Oldenbourg, 2005<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael H. Breitner Eine Lernplattform stellt den komplexen, technischen Rahmen f\u00fcr diverse E(lectronic)-Learning-Szenarios zur Verf\u00fcgung. Sie basiert auf Hardware, Software und nutzenden Menschen. Die Auswahl einer Lernplattform ist ein komplexer, aufw\u00e4ndiger Entscheidungsprozess und deren Wirtschaftlichkeit muss genau analysiert werden. 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