{"id":4088,"date":"2019-04-08T12:33:20","date_gmt":"2019-04-08T10:33:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/index.php\/informationssystemen-integration-von\/"},"modified":"2022-03-02T14:43:09","modified_gmt":"2022-03-02T13:43:09","slug":"informationssystemen-integration-von","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/informationsmanagement\/informationsmanagement-aufgaben-des\/informationssystemen-integration-von\/","title":{"rendered":"Informationssystemen, Integration von"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Axel Hahn\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/hahn-prof-dr-ing-axel\/\">Axel Hahn<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Integration von Informationssystemen ist Voraussetzung f\u00fcr eine optimale Prozessgestaltung. Interoperabilit\u00e4t von Informationssystemen verlangt eine Integration auf Daten-, Modell-, Funktions-, Prozess und Gesch\u00e4ftsebene.<\/em><\/p>\n<h2>Integration von Informationssystemen<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Heute lassen sich Gesch\u00e4fts- oder Produktionsprozesse ohne eine weit reichende informationstechnische Unterst\u00fctzung kaum noch vorstellen. Die eingesetzten Anwendungssysteme erg\u00e4nzen sich in Aufgabenfokus und Funktionalit\u00e4t. Optimal gestaltete Prozesse ben\u00f6tigen integrierte Anwendungssysteme. Betriebliche Informationssystemen gehen daher auch \u00fcber die Definition der Informatik f\u00fcr Informationssysteme (ein Informationssystem dient der rechnergest\u00fctzten Erfassung, Speicherung, Verarbeitung, Pflege, Analyse, Benutzung, Disposition, \u00dcbertragung und Anzeige von Informationen) hinaus und adressieren das gesamte informationsverarbeitende soziotechnische System.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Notwendigkeit zur Integration betrieblicher Informationssysteme besteht daher bei der Verwendung unterschiedlicher Anwendungssysteme und bzw. oder bei der Kooperation zwischen einzelnen Organisationseinheiten zum Beispiel zwischen Abteilungen oder zwischen Unternehmen. Die Art und Tiefe der Integration kann sehr unterschiedlich sein, wie die Bandbreite der unternehmerischen Kooperation (vom elektronischen Gesch\u00e4ftsdatenaustausch hin bis zu Merger\/Akquisition Projekten).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Angelehnt an IEC (TC 65\/290\/DC) gliedert man die notwendigen Aufgaben zur Integration von Anwendungssystemen in ein Ebenenmodell mit einer daten-, modell-, funktions- und prozesstechnischen Integrationsebene: Auf der datentechnischen Ebene wird festgelegt, wie die Informationen \u00fcbertragen werden. Die unterschiedlichen Informationsmodelle der Anwendungssysteme werden auf der modelltechnischen Integrationsebene aufeinander abgebildet. Auf der funktionstechnischen Integrationsebene erfolgt die Abstimmung der verschiedenen Funktionen der Anwendungssysteme. Das ist eng verbunden mit der prozesstechnischen Integration. Auf dieser Ebene erfolgt die \u00a0notwendige Abstimmung der Ablaufreihenfolge (Protokolle) des Informationsaustausches f\u00fcr die funktionale Integration.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dar\u00fcber hinaus verlangt die Integration von Informationssystemen eine Abstimmung zwischen von den Unternehmensstrukturen und beteiligten Personen bis ggf. hin zu Gesch\u00e4ftsmodellen.\u00a0 Daher umfasst die prozesstechnische Ebene nicht nur die Protokolle f\u00fcr die Integration der Anwendungssystemen sondern umfasst auch die Koordination und Unterst\u00fctzung der Gesch\u00e4fts- und Produktionsprozesse.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Es ist auf allen Ebenen zwischen einer engen und losen Koppelung zu unterscheiden. Eine enge Koppelung impliziert die Nutzung zentraler Elemente wohingegen die lose Koppelung auf eine dezentrale bilaterale Koordinierung setzt. Die Entscheidung f\u00fcr eine lose oder enge Koppelung hat Auswirkungen auf die Infrastruktur bis hin zur Architektur der Anwendungssysteme.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Auf datentechnischer Ebene ist der Austausch \u00fcber ein gemeinsames Datenbanksystem ein Beispiel f\u00fcr eine enge und eine nachrichtenbasierte Kommunikation zwischen den Anwendungssystemen ein Beispiel f\u00fcr eine lose Koppelung. Auf modelltechnischer Ebene unterscheidet man zwischen Verwendung eines gemeinsamen Datenmodells und der bilateralen Konvertierung zwischen den Datenmodellen der verschiedenen Anwendungssysteme. Letzteres ist eine lose Koppelung. Auf Funktionsebene kann man unterschiedliche Architekturkonzepte bezgl. enger und loser Koppelung klassifizieren. Ebenenarchitekturen implementieren eine enge Koppelung und Services orientierte Architekturkonzepte eine lose Koppelung. Selbstorganisierende Prozesse und zentral koordinierte Prozesse sind auf prozesstechnischer Integrationsebene Beispiele f\u00fcr lose und enge Koppelung. Das gilt auch f\u00fcr die durch die Integration entstehenden \u00fcbergeordneten Organisationsstrukturen die um Beispiel hierarchisch\/zentral gef\u00fchrt oder dezentral selbstorganisierend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Unter dem Begriff Interoperabilit\u00e4t versteht man die Integration auf den genannten Ebenen jeweils unter Ber\u00fccksichtigung der Semantik. Interoperabilit\u00e4t garantiert, dass die beschriebenen Anwendungssysteme die Daten nicht nur austauschen, sondern auch korrekt interpretieren k\u00f6nnen. Funktionen sind nicht nur in Namen und Signatur bestimmt, sondern deren Funktionalit\u00e4t ist vollst\u00e4ndig und nachvollziehbar definiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Voraussetzungen f\u00fcr die Erlangung der Interoperabilit\u00e4t ist neben geeigneter Softwarearchitekturen und \u2013plattformen ein gemeinsames Domainenverst\u00e4ndnis und die Ber\u00fccksichtigung der Unternehmensorganisation, formalisiert z.B. durch Ontologien bzw. Unternehmensmodelle. Interoperable Anwendungssysteme kann die oben geforderte optionale Unterst\u00fctzung des Unternehmens gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Literatur finden sich zahlreiche Vorschl\u00e4ge, die Integration von Informationssystemen zu systematisieren. Eine Auswahl ist das CIM Modell nach Scheer, das CIM-OSA Referenzmodell oder Open Distributed Prozesse (ODP). Zudem erleichtern zahlreiche Architekturans\u00e4tze serviceorientierte Architekturen (SOA) und Frameworks bzw. Software-Infrastrukturen (z.B. Eclipse) bzw. dahinterliegenden Standards (OSGi) \u00a0die Integration von Informationssystemen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ein methodisches Ger\u00fcst f\u00fcr die Integration von Informationssystemen ist die modellgetriebene Interoperabilit\u00e4t (Model Driven Interoperability, MDI). MDI ist eine Auspr\u00e4gung der modellgetriebenen Softwareentwicklung f\u00fcr die Integration von Informationsystemen. Ausgangspunkt sind unter Hilfe von semantischen Spezifikationstechnologien integrierte Unternehmensmodelle die f\u00fcr die Spezifikation der Integration und notwendiger technischer Hilfsmittel (z.B. Filter f\u00fcr die \u00dcbersetzung von Nachrichten zwischen Anwendungssystemen) genutzt werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">IEC TC 65\/290\/DC: Device Profile Guideline, TC65: Industrial Process Measurement and Control, 2002<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Scheer, A.-W.: Wirtschaftsinformatik &#8211; Referenzmodelle f\u00fcr industrielle Gesch\u00e4ftsprozesse, Berlin u.a.: Springer, 1997.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Scheer, A.-W.: Architektur integrierter Informationssysteme. Grundlagen der Unternehmensmodellierung. 2. Aufl., Berlin u.a.: Springer, 1992.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Egyhazy, C.; Mukherji, R.: Interoperability Architecture Using RM-ODP. Communications of the ACM 47(2):93-97, Feb. 2004.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Aier, S.; Sch\u00f6nherr, M. (Hrsg.):<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Enterprise Application Integration. Serviceorientierung und nachhaltige Architekturen.<\/em> 2. Auflage, Gito: Berlin, 2006.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">W\u00fctherich, G.; Hartmann, N.; Kolb, B.; L\u00fcbken, M.:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Die OSGi Service Platform \u2013 Eine Einf\u00fchrung mit Eclipse Equinox<\/em>. dpunkt.verlag, 2008.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">ESPRIT Consortium AMICE (Hrsg.): Open System Architecture for CIM, ESPRIT-Forschungsbericht, Projekt AMICE, Nr. 688, Vol. I. Berlin u.a.: Springer 1989.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Elves\u00e6ter, B.; Hahn, A.; Berre, A.-J.; Neple, T.: Towards an Interoperability Framework for Model-Driven Development of Software Systems. In: London, S. (ed.): Interoperability of Enterprise Software and Applications. Berlin u.a.: Springer, 2006<\/p>\n<div class=\"wl_autorbeitrag\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Axel Hahn Integration von Informationssystemen ist Voraussetzung f\u00fcr eine optimale Prozessgestaltung. Interoperabilit\u00e4t von Informationssystemen verlangt eine Integration auf Daten-, Modell-, Funktions-, Prozess und Gesch\u00e4ftsebene. 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