{"id":3938,"date":"2019-04-08T12:33:15","date_gmt":"2019-04-08T10:33:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.wi-lex.de\/index.php\/entity-relationship-model-erm\/"},"modified":"2022-03-02T14:26:28","modified_gmt":"2022-03-02T13:26:28","slug":"entity-relationship-model-erm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wi-lex.de\/lexikon\/informations-daten-und-wissensmanagement\/datenmanagement\/daten\/entity-relationship-model-erm\/","title":{"rendered":"Entity Relationship Model (ERM)"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Reinhard Jung\" href=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/index.php\/autoren\/autorenverzeichnis\/jung-prof-dr-reinhard\/\">Reinhard Jung<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Das Entity Relationship Model (ERM) ist eine graphische Sprache f\u00fcr die semantische Datenmodellierung, d.h. der Einsatzzweck des ERM liegt in der konzeptuellen Darstellung der Datensicht auf einen bestimmten Realit\u00e4tsausschnitt. Die zentralen Modellierungskonstrukte sind der Entit\u00e4tstyp, der Beziehungstyp und das Attribut.<\/em><\/p>\n<h2>ERM nach Chen<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Entity Relationship Model (ERM) wurde in seiner Grundform 1976 von Peter Chen vorgestellt [Chen 1976]. Es handelt sich um eine graphische Sprache f\u00fcr die semantische Datenmodellierung, d.h. der Einsatzzweck des ERM liegt in der konzeptuellen Darstellung der Datensicht auf einen bestimmten Realit\u00e4tsausschnitt. Die Modellierung erfolgt also ohne Ber\u00fccksichtigung technischer Aspekte, wie sie zum Beispiel bei der Speicherung von Daten in einer Datenbank zu beachten sind.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zur Modellierung werden folgende Modellelemente genutzt:<\/p>\n<div class=\"wl_box\">&#8222;The entity-relationship model can be used as a basis for a unified view of data&#8220;<br \/>\n[Chen 1976, S. 10]<\/div>\n<ul class=\"wl_bullet_me\">\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Entit\u00e4tstyp (engl.: entity type): Ein Entit\u00e4tstyp wird eingesetzt, um eine gleichartige Menge (Entit\u00e4tsmenge) materieller oder immaterieller Realtweltobjekte (Entit\u00e4ten) abzubilden. Dabei wird jedem Entit\u00e4tstyp ein \u201esprechender\u201c Name zugeordnet. Beispiele sind \u201eKunde\u201c, \u201eProdukt\u201c und \u201eAuftrag\u201c; als graphisches Symbol wird das Rechteck verwendet.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Beziehungstyp (engl.: relationship type): Ein Beziehungstyp erlaubt es, eine gleichartige Menge von Zuordnungen zwischen Realtweltobjekten (Beziehungen) abzubilden: Entit\u00e4tstypen werden durch einen Beziehungstyp miteinander verbunden. Als Name von Beziehungstypen werden Bezeichnungen eingesetzt, die die Zuordnung verbal darstellen. Beispiele sind \u201eKunde erteilt Auftrag\u201c und \u201eAuftrag bezieht sich auf Produkt\u201c. Als graphisches Symbol wird die Raute verwendet. Ein Beziehungstyp beinhaltet auch eine Angabe dar\u00fcber, wie viele Entit\u00e4ten des einen Entit\u00e4tstyps mit einer Entit\u00e4t des anderen Entit\u00e4tstyps in Beziehung stehen k\u00f6nnen und vice versa. Diese Angabe bezeichnet man als Komplexit\u00e4t bzw. Kardinalit\u00e4t des Beziehungstyps.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"JUSTIFY\">Attribut (engl.: attribute): Attribute werden eingesetzt, um die Eigenschaften von Realweltobjekten und Zuordnungen im Modell abzubilden. Entit\u00e4tstypen m\u00fcssen durch Attribute erg\u00e4nzt werden, bei Beziehungstypen sind Attribute hingegen optional. Auch Attribute erhalten \u201esprechende\u201c Namen. Attribute des Entit\u00e4tstyps \u201eProdukt\u201c k\u00f6nnen bspw. \u201eProduktname\u201c und \u201eLagerbestand\u201c sein. Die konkreten Auspr\u00e4gungen von Attributen werden Attributwerte genannt, die gemeinsam betrachtet den Wertebereich des Attributs definieren (z.B. f\u00fcr das Attribut \u201eLagerbestand\u201c alle positiven ganzen Zahlen inkl. Null). Prinzipiell muss jeder Entit\u00e4tstyp \u00fcber einen Schl\u00fcssel verf\u00fcgen, also \u00fcber ein Attribut, das eine Identifikation der zugrunde liegenden Entit\u00e4ten erm\u00f6glicht (engl.: key attribute). Sofern zur Identifikation mehrerer Attribute bzw. deren Attributwerte kombiniert werden m\u00fcssen, bilden diese Attribute gemeinsam den Schl\u00fcssel. Da die nat\u00fcrlichen Eigenschaften der Realweltobjekte h\u00e4ufig keine eindeutige Unterscheidung erlauben, werden oft k\u00fcnstliche Schl\u00fcssel eingef\u00fchrt (z.B. das Attribut \u201eProduktnummer\u201c). Als graphisches Symbol f\u00fcr ein Attribut wird eine Ellipse verwendet. Die Bezeichnungen der zum Schl\u00fcssel geh\u00f6renden Attribute werden unterstrichen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das graphische Ergebnis der Modellierung nach dem ERM ist ein (konzeptuelles) Datenschema. Die einander direkt zugeordneten Modellkomponenten (Symbole) werden dabei durch ungerichtete Kanten miteinander verbunden. Die Komplexit\u00e4tsangabe \u201eN\u201c in dem beispielhaften Datenschema in Abbildung 1 sagt aus, dass ein Kunde mehrere Auftr\u00e4ge erteilen kann. Die \u201e1\u201c hingegen sagt aus, dass ein Auftrag von genau einem Kunden erteilt wird.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" class=\"image-inline\" src=\"https:\/\/www.wi-lex.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/ERM1.png\" alt=\"Konzeptuelles Datenschema nach dem ERM-Ansatz (Beispiel)\" \/><\/p>\n<p class=\"wl_beschriftung\">Abb. 1: Konzeptuelles Datenschema nach dem ERM-Ansatz (Beispiel)<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In einigen F\u00e4llen bestehen in der Realit\u00e4t existentielle Abh\u00e4ngigkeiten zwischen Entit\u00e4ten. Eine Auftragsposition geh\u00f6rt beispielsweise untrennbar zu einem bestimmten Auftrag. Chen hat f\u00fcr diesen Sonderfall den sogenannten schwachen Beziehungstyp und den schwachen Entit\u00e4tstyp vorgeschlagen. In der graphischen Darstellung ist der schwache Beziehungstyp durch eine Pfeilspitze gekennzeichnet, die auf den schwachen (abh\u00e4ngigen) Entit\u00e4tstyp deutet. Letzterer wird durch ein doppelt gerahmtes Rechteck markiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">H\u00e4ufig ist es nicht m\u00f6glich, f\u00fcr einen schwachen Entit\u00e4tstyp einen Schl\u00fcssel festzulegen. Im Beispiel trifft das bei dem Entit\u00e4tstyp \u201eAuftragsposition\u201c zu: Eine Auftragspositionsnummer ist nur f\u00fcr einen bestimmten Auftrag eindeutig; ein anderer Auftrag kann identische Positionsnummern beinhalten. Die Attributwerte zu \u201ePositionsnr.\u201c sind also nur in Kombination mit den (Schl\u00fcssel-)Attributwerten zu \u201eAuftragsnr.\u201c eindeutig.<\/p>\n<h2>Erweiterungen des ERM<\/h2>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zu dem Vorschlag von Chen, der gro\u00dfe Verbreitung erfahren hat, wurden diverse Erweiterungen vorgeschlagen, darunter die genauere Spezifikation von Komplexit\u00e4ten, die Generalisierung\/Spezialisierung sowie die Aggregation (vgl. Ferstl, Sinz 2006, S. 140 ff.).<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Chen, P.P.-S.: The entity-relationship model &#8211; toward a unified view of data; ACM Transactions on Database Systems 1 (1976) 1, S. 9-36.<\/p>\n<p class=\"wl_literaturquelle\">Ferstl, O.K., Sinz. E.J.: Grundlagen der Wirtschaftsinformatik, 5. Aufl. M\u00fcnchen, Wien: Oldenbourg 2006.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reinhard Jung Das Entity Relationship Model (ERM) ist eine graphische Sprache f\u00fcr die semantische Datenmodellierung, d.h. der Einsatzzweck des ERM liegt in der konzeptuellen Darstellung der Datensicht auf einen bestimmten Realit\u00e4tsausschnitt. 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